EUTOPIA. (dis)appearing capital 2004
EUTOPIA. (dis)appearing capital 2004
Ausstellungskonzept Galerie Stadtpark Krems
Modell. Peformance. Fotografie. Video
Konzept, Produktion, Video: Markus Wintersberger
Live / Performance: Julia Mach, Stephanie Cumming
Live / Sound: Alois Huber.
Talking Head: Marc Ries
Galerie Stadtpark Krems. Oktober 2004
Basierend auf den Arbeitsansätzen und Überlegungen zum Projekt cinecityR4_tranistorische Electrosphäre wird der Ort Galerie Stadtpark Krems als diskursive Innen/Aussenraumschnittstelle - sowohl kontextuell als auch immanent architektonisch - befüllt und bespielt. Eine Raumgitterskulptur, ein masstäblich gebautes Verweisendes bietet den Hauptstrang, das Refferentielle im Kontext des Annahmebogens. Die Skulptur stellt eine masstäbliche Umsetzung M 1:50 des Regierungsviertel St. Pölten, gezielt des bürokratie- und machtpolitisch gefüllten Landhausboulevard dar. Aus einzelnen Quadratholzstäben 1 x 1 cm gefertigt und jeweils mit Aluminiumspiegelfolie überzogen erinnert es an das real Vorhandene, spiegelt die Präsenz des Tatsächlichen und entkleidet gleichzeitig die Architekturkörper. Wie transparent schwerelose „Raumcontainer“ reihen sich die einzelnen Gebäudeblöcke zu dem Gesamtenvironmente. Wie errechnet ist das Reale? Wie berechnet und verrechnet sich das Weltkonstrukt? Wie zentral oder zentriert erfindet sich eine Sozietät? Wie bindet und verbindet sich der „Gemeinort“ mit dem „Individualort“? Welche Rolle fällt zu, gefällt oder missfält mir als am „Gemeinort“ partizipierenden Individuum? Standpunktsuche und Standpunktanalyse bilden Haupagens dieses Forschungseinsatzes und dieser laboratorischen Kunstvermessung. Die Skulptur selbst wird durch eine Lichtchoreographie in „Bewegung“ versetzt. Die stabile Aussenweltanmutung erfährt eine Hinterfragung hinsichtlich ihrer Lebendigkeit. Das Gitterwerk der einzelnen Kuben löst sich gleichsam in einem performativen Rhythmus auf, gerät in Schwingung und verselbtständigt sich als grafische Raumlinienzeichnungen, die sich an den umliegenden Wänden nach aussen werfen. Der nächtliche Einblick und auch Ausblick der Galerie erfährt durch diese Inszenierung ein energetisches sich in den Raum Brechen, die Schattenzeichnungen der Skulptur stülpen sich entlang der Glasfassade in den Aussenraum. Die architektonische Grenze erfährt eine Ergänzung, sie löst sich gleichsam als materielle Oberfläche auf, wird zum lichtfiktionalen Schattenriss einer politischen Idee. Die Rückseite der Galerie, der transparente Fassadenteil dem Stadtpark zugewandt, wird mit einer Projektionsfläche ausgehängt. Diese ist Träger für aus dem Modell erarbeitete Videoschleifen, masstäblich gekippte und montierte virtuelle Einblicke in den fiktionalen Realraum. Das inszenierte Modell selbst wird in den Videos mit einem in diesem agierenden Körper konfrontiert. Ein ertastendes und begreifendes Wesen wird Teil des Modellweltszenarius. Der „Leeraum“ erfährt eine Belebung und Beseelung durch ein choreografisches Agens. Teils selbstbewusst, teils ängstlich bahnt sich die Person ihren Weg durch das freigelegte Raumszenario. Die Ausstellung wird mittels einer Körperperformance - einer auf den Raum bezogen Handlungschoreographie - eröffnet. Eine Bewegungsstudie wird für den spezifischen Ort Galerie Stadtpark, und den spezifischen Kontext „cinecityR4_(dis)appearing capital“, entwickelt. Das Flachdach der Galerie wird zur Bühne oder zum Sockel eines livegestischen Eingriffs. Die Figur agiert und interagiert mit den Proportionen des Raumes, sie bildet gleichsam eine architektonische Erweiterung als „architekturraumkommunikative Liveplastik“. Als real Vorhandenes bildet sie die Spange
zum im virtuellen Raum der Videoschleifen eingebetteten Individduum. Das Projekt „cinecityR4_transistorische Electrosphäre“ und „cinecityR4_(dis)appearing capital“ wird akustisch sensitiv durch Alois Huber erforscht und getragen. Der jeweilige Realort wird hinsichtlich seiner audiellen Substanz befragt und aus seinen Konstanten soundinstallativ bespielt. Markus Wintersberger 2003
Bildauswahl
