Hybrider Werk SPACE – Black Hole
Das BASEMENT Studio Neulerchenfeld ist kein Atelier im klassischen Sinn. Es ist Werkraum, Speicherorgan, Versuchsanordnung und Bildmaschine zugleich: ein unterirdischer Produktionskörper, in dem Material, Medien und Zeit nicht nacheinander auftreten, sondern einander durchdringen.
Was hier entsteht, besitzt keinen endgültigen Aggregatzustand. Skulptur kann zur Fotografie werden, Fotografie zum Scan, Scan zum Datenraum, Datenraum zum Modell und das Modell erneut zu einem begehbaren Bild. Jeder Zustand ist Werk und Vor-Werk, Dokument und Mutation, Fundstück und Ausgangsmaterial einer weiteren Übersetzung.
Der Begriff Black Hole bezeichnet diese produktive Verdichtung. Er meint nicht Leere, sondern ein überfülltes Gravitationsfeld: Es zieht Körper, Geräte, Oberflächen, Fehlstellen, Erinnerungen und digitale Artefakte an. Ein Stück PU-Schaum wird zur Landschaft, ein Kabel zur Raumzeichnung, eine Atelierwand zur Bühne, eine Punktwolke zur porösen Architektur.
Mit Fotografie, Scan, Glitch, 3D-Druck und XR wird diese materielle Population nicht bloß reproduziert. Sie wird durch wechselnde technische Wahrnehmungsregime geschickt. Löcher werden zu Portalen, Schatten zu Volumen, Messfehler zu Ornamenten, Datenverluste zu produktiven Rissen. Die Maschine liest das Basement falsch – und gerade aus diesem präzisen Falschlesen entstehen andere Wirklichkeiten.
Analoges und Virtuelles bilden keine Gegensätze mehr, sondern Rückkopplungsschleifen. Der reale Keller wird digital entgrenzt; der virtuelle Raum kehrt als gedrucktes Diorama oder als veränderte Sicht auf das Atelier zurück. Das Werk ist nicht ein einzelnes Objekt, sondern die Bewegung zwischen seinen Zuständen.
Die Serie gleicht einem Archiv in permanenter Selbstumschreibung. Frühere Formen bleiben als Sedimente in späteren Bildern wirksam; neue Technologien öffnen rückwirkend andere Lesarten des bereits Vorhandenen. Das Basement produziert seine eigene Vor- und Nachgeschichte gleichzeitig: Labor und Fossil, Gegenwartsspeicher und Zukunftsruine.
Betreten wird ein Raum, der sich beim Sehen weiterbaut. Das BASEMENT Studio Neulerchenfeld XR ist weniger Darstellung eines Ortes als ein Verfahren der Raum-Erfindung: ein hybrider Werkkomplex, der Materie in Daten und Daten wieder in Erfahrung verwandelt.
MARKUS WINTERSBERGER · medienwerkstatt006 · 1998–2026 · work in progress
BASEMENT Studio Neulerchenfeld XR · 3D Collection
Die Sketchfab-Collection erweitert den fotografischen Werkkomplex in den navigierbaren Raum. 69 Modelle verbinden Punktwolke, Scan, Hyperobjekt und XR-Space zu einem begehbaren digitalen Archiv. Ein Modell auswählen und direkt im 3D-Viewer untersuchen.
Gesamte Collection auf Sketchfab ↗Bühnenpanorama · PU-Foam-Ensemble
Das Atelier öffnet sich als frontale Versuchsbühne. PU-Schaumkörper, Fundstücke, Figuren und technische Relikte treten nicht einzeln, sondern als räumliches Kollektiv auf. Zwischen Kulisse und Labor entsteht ein Tableau ohne Hauptfigur: Jede Form hält die andere im Schwebezustand.
Atelierkörper · Material und Prozess
Hier bleibt die Herstellung sichtbar. Hängende, quellende und gestützte Körper zeigen ihre Nähte, Verletzungen, Hilfskonstruktionen und temporären Allianzen. Das Atelier erscheint als metabolischer Organismus, der Material aufnimmt, verwandelt und wieder ausstößt. Nicht das fertige Objekt steht im Zentrum, sondern die Intelligenz des Unabgeschlossenen: Form als Tätigkeit.
Nachtkörper · Farblicht und Inszenierung
Im farbigen Dunkel löst sich das Werk aus seiner dokumentarischen Lesbarkeit. Konturen glimmen, Oberflächen werden zu Lichtfallen, Körper treten als Erscheinungen aus dem Schwarz hervor. Das Atelier kippt in eine nächtliche Theatermaschine, in der Farbe nicht beleuchtet, sondern neu modelliert.
Punktwolke · Scanraum
Der Scan zerlegt die feste Welt in ein flimmerndes Feld von Messpunkten. Körper und Architektur bestehen nur noch als Wahrscheinlichkeit, als löchrige Anwesenheit zwischen Erfassung und Verschwinden. Die Punktwolke ist zugleich präzise und gespenstisch: technisches Protokoll einer Oberfläche und poetische Auflösung des Raums.
3D-Druck · Weißes Diorama
Aus dem immateriellen Scan kehrt der Raum als weißes, kristallines Modell zurück. Maßstab und Materialität sind verschoben: Das Basement wird tragbar, der Körper zur Topografie, die Störung zum Relief. Das Diorama ist keine verkleinerte Kopie, sondern eine verdichtete Raumhypothese.
Glitch · Mehrfachbelichtung
Die Bilder verweigern die eindeutige Perspektive. Ansichten überlagern sich, Farben kippen ins Negative, Fragmente geraten zeitlich und räumlich aus dem Takt. Der Glitch ist kein Defekt, der beseitigt werden müsste, sondern eine Öffnung im Bildsystem.
Avatar · Hybridfigur
Die Figur tritt aus dem Ensemble heraus und wird zum Avatar: halb Skulptur, halb Stellvertreter, halb Datenkörper – eine bewusst unmögliche Anatomie. Faser, Muster, Farbe und technoide Aufsätze verbinden sich zu einer Identität ohne festes Original.
XR Space Poem · Immersion
Der Raum beginnt zu strömen. Chromatische Tunnel, goldene Horizonte und perspektivische Sogwirkungen verwandeln das Basement in ein begehbares Gedicht. Architektur wird nicht mehr betrachtet, sondern als Bewegung erfahren. XR ist kein Fluchtort, sondern die radikale Fortsetzung des Ateliers mit anderen Mitteln.














