CAMP.DATASOAP2006 — Konzept
„Ich will keine Geschichten mehr hören.“ — Auf einem Platz steht eine Badewanne auf einer Bühne vor einer Leinwand. Bild und Sprache entrücken den Platz — ein Wesen zwischen Kinoikone und antiker Sagengestalt taucht auf — die Fritz-Grünbaum-Bühne wird zum Filmset.
Ein interaktives Spiel zwischen substanziellen Sein und virtueller Erscheinung beginnt. PassantInnen sind eingeladen selbst eine der vielen Spuren der sich überlappenden Selbstinszenierungen zu hinterlassen. So kann physisch erlebt werden, wie die Gestaltung des persönlichen Erscheinens immer nur ein Teil des Kollektiven ist.
Will ich keine Geschichte mehr hören? Will ich keine Geschichten mehr hören? Was will ich hören? Was könnte mich interessieren? Was will ich? Will ich was? Wer will etwas von mir? Soll ich Dir eine Geschichte erzählen? Soll ich meine Geschichte erzählen? Was ist meine Geschichte? Bin ich selbst „eine“ Geschichte? Möchte ich meine Geschichte hören?
Auch diese Geschichte möchte ich nicht mehr hören? Nur mehr ein ständiges Misstrauen den Verhältnissen gegenüber, die mich umgeben? Misstrauen? Verhältnisse? Verständnis? Verständigung? Zeig mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben? Wann wird man je verstehen? Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte?
Rundum eingeschrieben in den Weltenbaum Ygradil mäandert Sie als (re)konstrukt entlang des Stammes, einer Doppelhelix gleich verästelt sich die Information und schraubt sich den „Verhältnissen“ entsprechend durch die Zeit? Keine Geschichte? Was war am Anfang aller Tage? Komme ich wieder? Keine Frage, Paulchen!
Stephanie Lang, Markus Wintersberger & Alois Huber
(Re)konstrukte — 14 Animated GIF + Audio
Die Live-Videoperformance wurde als 14 animierte GIFs rekonstruiert (16 Farben, 600×480 px), je mit zugehörigem Audio-Track. Klick auf eine Karte öffnet die Vollansicht mit Audio-Player. ▶-Taste spielt Audio direkt in der Liste ab.
Score — Le Mépris (Jean-Luc Godard, 1963)
Das performative (Re)konstrukt verwendete eine detaillierte Filmscore-Notation zu Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ (1963) als Ausgangsmaterial — Timecodes, Originalzitate und Inhaltsmarkierungen als kompositorische Vorlage.
„Die Verachtung"
| Track | Filmtitel | Timecode | Inhalt |
|---|---|---|---|
| I | Liebeserklärung Das Paar | Originalton franz. 00.02.33–00.04.06 00.04.06–00.04.11 00.04.06–00.05.10 | Text mit Musik / Text ohne Musik / Text andere Musik „Siehst Du meine Füße im Spiegel? – Ja. – Findest Du sie hübsch? – Ja, sehr. – Meine Fesseln, meine Knie, meine Schenkel, gefallen sie dir? – Frag weiter. […] – Je t'aime totalment, tendrement, tragiquement. – Moi aussi, Paul." |
| II | Rede (Steine) Der Produzent | Originalton engl. 00.06.00–00.06.28 00.06.56–00.07.06 00.07.37–00.07.54 | Kings and Queens / Modesty and Pride / I want more „Only yesterday there were kings here. – I sold this land. – Modesty?! I believe in the pride of making good films. – Write some good scences. Not only sex. I want more, more …" |
| III | Der Regisseur | Originalton deut. 00.10.25–00.10.43 00.12.25–00.13.07 | Kampf des Individuums / Der Mensch hat die Götter geschaffen „Hier geht es um den Kampf des Individuums gegen das Schicksal ein Rad von vielen zu sein. – Jerry, vergessen Sie nicht: nicht die Götter haben den Menschen geschaffen, der Mensch hat die Götter geschaffen." |
| IV | Poesie Paul zitiert Dante | 00.14.48–00.15.50 00.15.00–00.15.12 00.17.46–00.17.50 | ohne Musik / mit Musik / Satz „I hear the word culture I take my chequebook." |
| Hölderlin deutsch und franz. · 00.18.40–00.20.15 | |||
| Hölderlin / Götter | 00.18.40–00.19.51 | Presance – Absance / „nimm mal den Quatsch" „Furchtlos bleibt aber – so er muß – der Mann einsam vor Gott. Es schützt die Einfalt ihn […] Solange der Gott nicht da ist. Solange der Gott uns nahe ist. – Nimm mal den Quatsch, ich komme gleich nach." | |
| V | Camille | 00.25.38–00.25.44 | „Eine Geschichte interessiert mich nicht." |
| Vertrag / Geschäft | 00.26.35–00.26.44 | „Tell Paul, I want him to come to my office tomorrow to sign his contract." | |
| Vorlesen / Badewanne Camille liest Lang | 00.50.27–00.51.17 | … Unterschiedliche Art die Welt zu betrachten … / Der Mensch muß rebellieren … / Mord ist sinnlos … „Das Problem, so glaub ich, liegt in der unterschiedlichen Art begründet, in der wir die Welt betrachten. […] – Jedoch ist der Mord meiner Meinung nach nie eine Lösung." | |
| V (Augen) | Paul | 00.56.07–00.56.17 | Originalton franz. / engl. |
| VI | Camille | 01.07.48–01.08.05 | „Das habe ich nicht gesagt." / Originalton franz. |
| VII (8mm) | Paul / Camille | 01.15.00–01.15.12 01.15.27–01.15.41 | Streit / Argumentation |
| VIII | Odysseus | 01.24.51–01.25.11 01.25.24–01.25.42 | Hölderlin / Götter „Furchtlos bleibt aber so er muß, der Mann einsam vor Gott. Es schützt die Einfalt ihn." |
| IX | Ende des Films | 01.38.00–01.39.37 | Silencio |
Video-Dokumentation
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Weiterführende Dokumentation: