„Spurensicherung“ ist ein Wort aus drei Welten. Die Forensik sichert Spuren, damit sie vor Gericht halten. Die Geologie liest Spuren, die Hunderte Millionen Jahre alt sind. Die Kunst legt Spuren — und stellt sie aus. RELIQUIE WEIN4 bewegt sich zwischen allen dreien.
BEWEISKETTE nimmt den Begriff wörtlich. Grundlage ist ein einziger Tag: Am 8. November 2025 fahren Andrea Nagl und Markus Wintersberger von Ernstbrunn über Staatz nach Laa an der Thaya. Sie fotografieren Kalkblöcke, Flechten, einen Fossilschnitt, eine Burgmauer, eine Steinkugel — und einen weißen, künstlichen Stein, den sie mitbringen und in die Landschaft legen.
Aus den Metadaten dieser Fotos entsteht alles Weitere: Das Gelände ist aus den 255 GPS-Höhen interpoliert, die Fundorte sind die Häufungen der Koordinaten, die Uhr ist die Aufnahmezeit. Die 360°-Panoramen werden zu Tatortkugeln, der 3D-Scan der Performerin zur Spur eines Körpers. Nichts ist erfunden — aber alles ist gedeutet. Wo die Daten sich widersprechen, bleibt der Widerspruch sichtbar.
Dann dreht die Simulation die Zeit zurück: Der Kalk der Klippen entstand vor rund 150 Millionen Jahren in einem tropischen Meer; vor rund 17 Millionen Jahren lag das Laaer Becken unter der Paratethys. Die Fundorte des Feldtags waren vermutlich Inseln. Am Ende der Kette steht das Kunsthaus Laa: Dort werden die Spuren am 20. Juni 2026 zur Reliquie.


