KERNZEIT liest RELIQUIE WEIN4 als Bohrkern. Die Bohrung setzt dort an, wo das Projekt öffentlich wurde: am Boden der historischen Bürgerspital-Kapelle des Kunsthaus Laa, während der Performance von Andrea Nagl am 20. Juni 2026. Von dort geht es senkrecht hinunter — durch das Ende des Meeres, die Mailberg-Riffe, die Grund-Formation, den verschütteten Iváň-Canyon und die Laa-Formation bis in den Ernstbrunner Jurakalk.
Jeder Kern bekommt ein eigenes, aus der Geologie abgeleitetes Bildverfahren: Die Zeit wird zu Sediment (Slit-Scan in Schichten), das Bild trocknet und reißt, wird zum Dünnschliff unter gekreuzten Polarisatoren, sinkt nach Korngröße, wird seismisch gelesen, auf einen mikropaläontologischen Zellenträger gelegt und am Ende zu Stylolithen zusammengepresst. Zwischen Laa-Formation und Jura fehlen rund 128 Millionen Jahre: eine Diskordanz, die der Kern nicht erzählen kann.
Teufe und Alter sind schematisch — eine künstlerische Bohrung, keine Bohrlochdokumentation. Die Formationen, ihre Abfolge und die Altersangaben folgen der geologischen Literatur zum Raum Laa an der Thaya (Quellen unten).



