VORSPANN · TC 00:00:12
Vorspann
Schwarz, eine rote Haarlinie wächst zur Naht. Kloke & Wintersberger, Berlin – Wien, September 2007 / Stand 27.02.2008. Titel, Untertitel, 1909 ⇄ 2009 ⇄ 2026.
AV-Neufassung 2026 · experimentell-künstlerische Übersetzung · 4K
Intermediales Hyperszenario und mehrdimensionales Datensetting
1909 ⇄ 2009 ⇄ 2026
GLASWAND · Maus oder Finger verschiebt die Naht · links das Datenmaterial 2008 (DaS005 „Die Vorstadt“, Bild Niklas Zimmer), rechts sein Negativ in Kubin-Rot und Kreide
Eri Asai liegt hinter dem Glas. Sie sieht herüber, wir sehen hinüber, und keine Stimme setzt die Luft auf der anderen Seite in Schwingung. Haruki Murakamis Bild aus „Afterdark“ – 2008 als Textmodul in den Projektzyklus eingespeist – wird 2026 zur Form der ganzen Arbeit.
Auf dieser Seite steht das Datenmaterial des Projekts: sechs Videoclips von 2008 mit 320 × 240 Bildpunkten. Sie werden nicht „verbessert“, sondern ehrlich vergrößert – jeder Bildpunkt wird zu einem Quadrat aus 12 × 12 Pixeln auf 3840 × 2160. Das sichtbare Raster ist das mehrdimensionale Datensetting, von dem das Konzept 2007 sprach, in seiner rohesten Gestalt.
Auf der anderen Seite steht dasselbe Bild als Kubin-Negativ: Luminanz in Kubin-Rot und Kreide, Positiv gegen Negativ, gespiegelt, rückwärts laufend. Eine wandernde Naht teilt jedes Bild, sie springt, kippt die Seiten und bricht in der Störung – das „Dschiiiii“, mit dem bei Murakami der Empfang abreißt. Zweites Strukturmotiv ist die Fenstermatrix 8 × 4: die Fassade „Die Vorstadt“ (DaS005), deren Fenster andere Welten zeigen, wird zum Raster, in dem das Flickr-Archiv und alle sechs Clips gleichzeitig erscheinen.
Kubins Perle war eine Stadt aus gebrauchten Dingen, ein Traumreich, das seinen Untergang schon in sich trug. Die Neufassung liest das Projekt von 2007–2009 – zwischen Finanzkrise und Web 2.0 – noch einmal aus der Distanz von 2026: als Archiv, das nicht restauriert, sondern durch die Scheibe betrachtet wird.
Die Originaltonspuren der sechs Clips an denselben Zeitstellen wie das Bild: Thomas Leyendeckers Posaune und Euphonium, Annette Robberts Sprechstimme, Eberhard Klokes Klavier und Programm. Darunter die drei Lesungen der Projektseite – Kubin, Poe, Murakami – und ihre Tonsignale, Tarnhelm 1–3, film5, haus. Montage, Loudness −16 LUFS.
Eigene Form- und Designsprache aus dem Projekt selbst: Kubin-Rot, Kreide, Tinte, Signalgrün und Nebel – die Farben der roten Kubin-Tafeln und grünen Linienzeichnungen der Projektseite. Cormorant Garamond als Buchstimme von 1909, Space Mono als Datenstimme.
„Parallelen zur realen Welt sind offensichtlich (1909). Noch umso deutlicher verweisen Kubins phantastische und surreale Szenarien auf aktuellere apokalyptische Fantasien (2009)“, schrieb Eberhard Kloke im Konzept. Die Neufassung hält alle drei Enden fest.
1909
2009
2026
Standbilder der Langfassung. Jedes Fenster kippt beim Berühren auf die andere Seite. Klick öffnet die Großansicht.
VORSPANN · TC 00:00:12
Schwarz, eine rote Haarlinie wächst zur Naht. Kloke & Wintersberger, Berlin – Wien, September 2007 / Stand 27.02.2008. Titel, Untertitel, 1909 ⇄ 2009 ⇄ 2026.
I · TC 00:00:22
Kubins Situationsplan der Stadt Perle (Illustration 1909 / mwek 2008), rot gegen schwarz, dann füllt sich die Fenstermatrix mit dem Archiv der Vorstadt.
„Parallelen zur realen Welt sind offensichtlich.“Eberhard Kloke, Projektkonzept 2008
II · TC 00:01:15
DaS005: die Fassade, deren Fenster fremde Bilder zeigen. Die Naht bringt das Negativ herein; am Ende zeigt die Matrix alle sechs Clips gleichzeitig.
„Hörst du die Toten singen, die lichtgrünen Toten?“Alfred Kubin, S. 189
III · TC 00:02:00
DaS008 – U-Bahn, Parkhaus, Gleisdreieck – gegen die Gleisfotografien des Archivs, dann gegen sich selbst: dieselbe Reise gespiegelt und rückwärts.
„Es läßt sich nicht lesen.“Edgar Allan Poe, Der Massenmensch
IV · TC 00:02:55
Verwandlung im Schaufenster: Kerzen, Posaune (DaS010), der Kerzenflammen-Streifen (DaS006) als Band in der Mitte, dahinter Rot und Signalgrün. Verwandlung 1 · 2 · 3 im Sekundenschnitt.
„… in einer neuen Kunstform ergeben können.“Walter Benjamin, 1936
V · TC 00:04:00
DaS011 – Nebel, Kräne, Bäume als Negative. Diese Seite ist das Positiv, die andere das Negativ; alle vier Sekunden wechseln die Seiten, Kubin-Tafeln blitzen in der Naht auf.
… per aspera ad astra … durch Dunkelheit zum Licht?Modell-Projekt 9 · Neither-Nor
VI · TC 00:05:12
DaS009 gespiegelt in Rot; die Störung wächst 22 Sekunden lang bis Weiß, Rauschen, dann Stille mit Patera, Tor und Ruine.
„Wir sind nur ein Blick.“Haruki Murakami, Afterdark, S. 184
VII · TC 00:05:35
Der Situationsplan sinkt ins Schwarz, der Buchdeckel von 1909 erscheint: München und Leipzig bei Georg Müller, MDCCCCVIIII.
„Ich bin müde!“Patera · Alfred Kubin, S. 190
NACHSPANN · TC 00:06:12
Rolle: Projekt, Ausgangspunkt, Credits 2008, Bild und Fotografie, Einzelprojekte 1–11, Quellmaterial, Texte, Literatur und Filme, Neufassung 2026, Referenzen.
Diese Seite · 1909 · 1840
„In den tiefen grünlichen Schatten seiner Augen lag übermenschliches Leiden … Seine Augen glichen zwei leeren Spiegeln, welche die Unendlichkeit auffingen. Mir kam der Gedanke, daß Patera gar nicht lebe – wenn Tote schauen könnten, das wären ihre Blicke.“Alfred Kubin · Die andere Seite (1909), S. 189–190 · Textmodul Kubin ↗
„Es war nicht schlecht, dies ‚Es läßt sich nicht lesen‘, was man von einem gewissen deutschen Buche sagte. Es gibt Geheimnisse, die nicht gestatten, daß man sie ausspricht.“Edgar Allan Poe · Der Massenmensch / The Man of the Crowd · Textmodul Poe ↗
Die andere Seite · 2004 · 1936
„Wir sind unsichtbare, namenlose Eindringlinge. Wir sehen. Wir lauschen. Wir riechen. Ohne indes physisch anwesend zu sein … Die Grenze oder Schnittstelle zwischen beiden Welten gerät heftig ins Wanken.“Haruki Murakami · Afterdark (2004), S. 35 / 185 · Textmodul Murakami ↗
„Die Geschichte jeder Kunstform hat kritische Zeiten, in denen diese Form auf Effekte hindrängt, die sich zwanglos erst bei einem veränderten technischen Standard, d.h. in einer neuen Kunstform ergeben können.“Walter Benjamin · Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1936 · zitiert im Projektkonzept ↗
Eberhard Kloke / Markus Wintersberger, Berlin – Wien, September 2007 / Stand 27.02.2008. Ein intermediales Hyperszenario: Kubins historische Metapher wird in einen konzeptionellen Kontext der Gegenwart übersetzt und rezeptiv-produktiv weitergesponnen.
„Im Kern geht es um die Diskrepanz zwischen dem Verfall eines von Politik und Wirtschaft lancierten Wertsystems einerseits und den Visionen von Literatur und Kunst andererseits. … Die andere Seite markiert konzeptionell diese Schnittstelle und versucht durch experimentelles Forschen mittels audiovisueller Technik den künstlerischen wie intermedialen Diskurs voranzutreiben.“ (Eberhard Kloke)
Die Projektseite von 2008 versammelt Konzept, Textmodule (Kubin, Poe, Murakami mit Lesungen), Videos (Intro, Passio123, Ich habe genug, Projekt Tarnhelm, Die Reise 1, Die Verwandlung 1), Bilder, Zeichnungen, Zeichen, die Stadt Perle, das Cadolzburg Readymapping und die Literatur- und Filmliste.
Das vollständige Album mit 525 Bildern liegt auf Flickr: Die andere Seite. 2008 ↗ · Bildautoren: Niklas Zimmer, Lothar Zimmer, Dominik Kloke, Thomas Mayer, Eberhard Kloke, mwek.
| Datei | Angaben |
|---|---|
| DIE_ANDERE_SEITE_GLASWAND_2026_ LANGFASSUNG_4K.mp4 | 6:34 · 9 850 Bilder · 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 High 5.1 · AAC 320 k · −16,9 LUFS · 581 MB |
| DIE_ANDERE_SEITE_GLASWAND_2026_ TRAILER_4K.mp4 | 2:45 · 4 125 Bilder · 3840 × 2160 · 25 fps · H.264 High 5.1 · AAC 320 k · −16,9 LUFS · 307 MB |
| Clip | Titel | Auflösung | Dauer |
|---|---|---|---|
| DaS005 | Projekt Tarnhelm · Die Vorstadt (Fassade) | 534 × 480 | 6:32 |
| DaS006 | Projekt Tarnhelm · Kerzenflamme / U-Bahn | 320 × 240 (Streifen 320 × 120) | 6:55 |
| DaS008 | Die Reise 1 | 320 × 240 | 8:07 |
| DaS009 | Projekt Tarnhelm · Fahrt, Nebel, Kräne | 320 × 240 | 7:02 |
| DaS010 | Projekt Tarnhelm · Schaufenster, Kerzen, Posaune | 320 × 240 | 5:31 |
| DaS011 | Die Verwandlung 1 | 320 × 240 | 8:39 |
| Flickr | Album „Die andere Seite. 2008“ | 525 Bilder | — |
| das_ton | Lesungen Kubin / Poe / Murakami, Tarnhelm 1–3, Tonsignale 1–11, film5, haus, klangb, kombi_3 | 18 mp3 | — |
Die Quellclips werden als 4:3-Ausschnitt 320 × 180 gelesen und mit Nearest-Neighbour exakt ×12 auf 3840 × 2160 gebracht – kein Interpolieren, das Pixel bleibt ein Quadrat. Alle Bildoperationen (Duotone, Negativ, Spiegelung, Störung) laufen auf der Quellauflösung, erst danach wird vergrößert. Die Glaswand-Naht, die Fenstermatrix 8 × 4 (400 × 440 px, Sprossenkreuz), die Kubin-Tafeln und die Typografie werden in 4K darübergelegt.
Rendering: Python / NumPy → ffmpeg-Pipe, x264 (veryfast, CRF 21, maxrate 40 M), Abschnitte zu 1 000 Bildern, ohne Neucodierung zusammengefügt. Ton: Originalton der Clips an den Bildstellen, Lesungen und Signale der Projektseite; ffmpeg afade / adelay / amix, loudnorm, Limiter (−3 dBFS gegen AAC-Overshoot).