Der Körper als bewegliches Archiv
Was bleibt von einem Ich, wenn sein Bild nicht mehr an einen einzigen Körper gebunden ist?
In dieser experimentellen Videocollage erscheint der Körper als bewegliches Archiv: als Speicher von Blicken, Gesten, Rollen, Erinnerungen und kunsthistorischen Bildern. Vier verschiedene Bildräume werden nebeneinander gestellt, überlagern sich, durchdringen einander und verlieren dabei ihre eindeutigen Grenzen.
Die Figur ist nicht länger nur Protagonist. Sie wird Material, Oberfläche, Zitat und Echo. Sie erscheint als Kopie ihrer selbst, als fremde Ikone, als digitales Fragment und als wandelbare Projektion. Jeder neue Körper ist zugleich Wiederholung und Abweichung — eine Rekombination dessen, was bereits gesehen, erinnert oder imaginiert wurde.
Vier durchlässige Bildräume
Die künstliche Intelligenz erzeugt hier kein neutrales Abbild. Sie produziert Zwischenräume: Übergänge zwischen persönlicher Erinnerung und kollektivem Bildgedächtnis, zwischen Kunstgeschichte und Gegenwart, zwischen Original und Simulation. Die Bilder wirken wie visuelle Bewusstseinsströme, in denen verschiedene Zeiten und Identitäten gleichzeitig sichtbar werden.
Transparenz bedeutet dabei nicht Klarheit. Sie bedeutet Durchlässigkeit. Ein Bild bleibt im anderen erhalten, aber verändert seine Bedeutung. Eine Figur tritt hervor und verschwindet zugleich. Ein Körper wird von einem anderen überschrieben, ohne vollständig ausgelöscht zu werden.
I · GESTE
II · ROLLE
III · FRAGMENT
IV · ECHOVideoarbeiten I-IV
Die Videos werden erst nach Aktivierung des Players von YouTube geladen.
Identität als Überlagerung
Vielleicht ist Identität kein festes Zentrum, sondern eine Folge von Überlagerungen. Kein abgeschlossenes Selbst, sondern ein instabiles Archiv aus Bildern, Bewegungen, Rollen und Blicken.
Die Videoarbeit versteht sich als AI-generierter Remix aus persönlicher Präsenz, digitaler Rekombination und neuerer Kunstgeschichte — als Versuch, Erinnerung nicht als Vergangenheit, sondern als fortwährende Bildproduktion sichtbar zu machen.
MARKUS WINTERSBERGER · medienwerkstatt006 · 2024-2026