medienwerkstatt006 · Markus Wintersberger · 2026

PATHFINDER 360°

Der Körper als ECHOES auf 69 Metern

Ein Körper, 69 Meter breit. Eine Wand, die den Raum umschließt.
Und kein einziger Schnitt.

AV-Arbeit für das 360°-LED-Panorama im Haus der Digitalisierung Tulln. 22.080 × 1.440 Pixel, 2:59 Minuten, eine einzige durchgehende Montage. Sie eröffnet und beschließt den Abend Lucid Dreams ECHOES am 3. Dezember 2026.

BODYBOX → PATHFINDER → 360° → DER KÖRPER ALS ARCHIVKörper · Oberfläche · Raum · KI · 1994–2026

Der ganze Ring auf einmal — so sieht ihn im Raum niemand. Das Fenster zeigt, wo die Kamera der Umrundung (240°) gerade steht. Blick 060° · Zeit 0:00

Ringstreifen 1 von 3 · 4.416 von 22.080 Pixeln · was Sie sehen, ist ein Fünftel

000°Der Raum

Niemand sieht die ganze Wand

Das Panorama im Haus der Digitalisierung ist ein geschlossener Ring aus 31,8 Millionen Leuchtdioden — 311 m² Bildfläche, 69 Meter Umfang, 22.080 Pixel Breite. Wer darin steht, sieht immer nur einen Ausschnitt. Der Rest liegt im Rücken.

Das ist keine technische Einschränkung, sondern das Thema. Die Arbeit behandelt die Wand nicht als sehr breite Leinwand, sondern als Speicher, durch den man hindurchgeht. Kein Bild ist je vollständig sichtbar; jede Position im Raum erzeugt eine andere Fassung. Die Montage rechnet damit: Sie arbeitet ohne Schnitte, weil ein Schnitt in einem Ring nichts trennen könnte — er würde nur an einer Stelle passieren und an allen anderen ins Leere laufen. Stattdessen wandern Bilder durch Überblendungen und Schärfenzüge ineinander. Material tritt unscharf ein, zieht sich scharf, verschwindet wieder im Nebel.

17,4 % — so viel sehen Sie auf einmal

Ein normaler 16:9-Bildausschnitt ist 3.840 Pixel breit. Das sind 17,4 Prozent des Rings. Schieben Sie den Regler: So wandert die virtuelle Kamera der 16:9-Fassung durch den Raum.

Schematische Ansicht des Panoramarings

Blickrichtung 98° Ringposition 6.000 px Weg an der Wand 18,8 m Sichtbar 3.840 px · 17,4 %

060°Drei Werke, drei Zeiten

1994 · 1998 · 2026 — gleichzeitig

PATHFINDER 360° legt drei Arbeiten aus drei Jahrzehnten übereinander, ohne sie zu historisieren. Sie laufen nicht nacheinander ab, sie durchdringen einander. Was 1994 Handarbeit war, tut heute eine Maschine von selbst — und genau diese Differenz ist der Gegenstand.

Standbild PATHFINDER: aus Makroaufnahmen zusammengesetzte Körperoberfläche

1994

PATHFINDER

Ein in Segmente unterteilter Körper, in Einzelschritten mit Makrofotografie aufgenommen und am Computer zu einer homogenen Oberfläche zusammengesetzt. Eine Landkarte aus Haut.

Dreißig Jahre bevor Maschinen das von selbst taten.

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Standbild THE BODYBOX: Industriecontainer mit digital verzerrten Körperlandschaften

1998

THE BODYBOX

Ein Industriecontainer als Trägerfläche digital verzerrter Körperlandschaften, von Wien über die Autobahn nach Linz gefahren. Bei 100 km/h löst sich das Objekt im Pixelflug auf. Gezeigt bei „Natürlich Künstlich“, Linz.

Der Körper als Fracht. Die Ausstellung fuhr zum Publikum, nicht umgekehrt.

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Standbild DER KÖRPER ALS ARCHIV: vier überlagerte Bildräume

2024 – 2026

DER KÖRPER ALS ARCHIV

Der Körper als bewegliches Archiv: Speicher von Blicken, Gesten, Rollen, Erinnerungen und kunsthistorischen Bildern. Vier Bildräume überlagern sich und verlieren ihre Grenzen: I GESTE · II ROLLE · III FRAGMENT · IV ECHO.

Dass die vierte Kammer ECHO heißt, ist kein Zufall.

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Wie sich die 2:59 verteilen

Gemessen an der bespielten Bildfläche über die gesamte Laufzeit — die Gewichtung wurde nach einer ersten Fassung nachgerechnet und korrigiert, damit keine der drei Arbeiten die beiden anderen verdeckt.

THE BODYBOX · 199850 %
PATHFINDER · 199426 %
DER KÖRPER ALS ARCHIV · 2024–202618 %
Transit, Zwischenräume, Zäsuren6 %

Ringstreifen 2 von 3 · Gegenlauf · die Wand hat keine Leserichtung

090°Das Archiv

Das Archiv, aus dem die Wand gebaut ist

36 Aufnahmen aus den Produktionsordnern von 1994 und 1998 — eine für jede 10° des Rings. Sie liegen verschlüsselt vor: als 1-Bit-Raster in der Farbe ihres Werks, die Zeilen gegeneinander verschoben wie ein gestörtes Signal.

Lesbar wird eine Aufnahme nur durch ein Fenster von 17,4 % ihrer Breite — genau der Anteil, den die Wand dem Blick je freigibt. Das Fenster tastet jede Zelle von selbst ab; mit dem Zeiger lässt es sich führen. Erst die Großansicht entschlüsselt das ganze Bild, Zeile für Zeile.

Sichtbar 36 / 36 PATHFINDER 1994 22 THE BODYBOX 1998 14 1 Zelle = 10°

Zelle · Ringposition · Werk · Jahr · Prüfcode

Bewegtbild 1998

Vier Animationen aus der Produktion von THE BODYBOX, 720 × 576, ohne Ton. Sie laden erst beim Abspielen und liegen auf diesem Server — kein Dienst Dritter ist beteiligt.

Vario 001 · 0:04
Vario 002 · 0:06
Vario 003 · 0:20
10. 08. 1998 · 0:40

120°Genese

Dreißig Jahre, die zu einer Frage zusammenfallen

Die Arbeit ist nicht als Rückblick angelegt. Sie ist der Versuch, eine Frage von 1994 unter den Bedingungen von 2026 noch einmal zu stellen: Was passiert mit einem Körper, wenn er zu Daten wird — und wer rechnet ihn dann weiter?

1994

PATHFINDER. Der Körper wird segmentiert, makrofotografiert und von Hand zu einer durchgehenden Oberfläche montiert. Monate Arbeit für das, was später ein Knopfdruck ist.

1998

THE BODYBOX. Die Körperlandschaften verlassen den Bildschirm und werden Fracht. Ein Container fährt über die Autobahn — die Auflösung des Bildes geschieht durch Geschwindigkeit, nicht durch Software.

2024

DER KÖRPER ALS ARCHIV. Vier Bildräume, in denen Gesten, Rollen, Fragmente und Nachbilder als Speicher gelesen werden. Der Körper ist nicht mehr Motiv, sondern Datenbank.

2024
2025

Dreizehn KI-Rekonstruktionen. Generative Modelle rechnen an den alten Aufnahmen weiter. Sie ergänzen, was nie da war, und sie irren sich präzise — an genau den Stellen, an denen das Archiv Lücken hat.

2026

PATHFINDER 360°. Alles zusammen, auf 22.080 Pixel gelegt, in einer einzigen Bewegung. Nicht als Werkschau, sondern als eine Oberfläche, die sich in 2:59 einmal um das Publikum herumdreht.

Dreizehn der verwendeten Bildquellen sind KI-generierte Rekonstruktionen aus 2024/2025, erzeugt aus dem eigenen Bildarchiv. Bildaufbau, Montage, Gewichtung und Ton sind Handarbeit; die Kennzeichnung ist Teil der Arbeit, nicht ihr Kleingedrucktes.

180°Die Montage

Kein Schnitt, kein Zentrum, kein Ende

Die gesamte Arbeit ist eine einzige Überblendung. Jeder Materialwechsel läuft als Schärfenzug, Nebelübergang oder seitliche Wanderung. Es gibt keinen Frame, an dem etwas „anfängt“.

Sechs Stationen liegen gleichmäßig über den Ring verteilt, im Abstand von 3.680 Pixeln. An ihnen tauchen typografische Tafeln auf — Werktitel, Jahreszahlen, Orte — und versinken wieder. Wer im Raum steht, liest sie nie alle; wer sich dreht, liest sie in einer anderen Reihenfolge als der Nachbar. Zwei Zäsuren bei 0:45 und 2:14 ziehen Bild und Ton fast auf Null: zwei Atemzüge, in denen die Wand beinahe erlischt.

Standbild Transit: Autobahnfahrt Wien–Linz, der Container im Pixelflug
Transit · Autobahn Wien–Linz · bei 100 km/h löst sich der Container im Pixelflug auf

Der Ton

Die Tonspur stammt ausschließlich aus den Tonspuren der dreizehn Videos — kein zugekauftes Material, keine Bibliothek. Ein Grundton, zwei bis drei Oktaven heruntergezogen, wandert in 2:59 einmal im Kreis durch das Stereobild, synchron zur Bildbewegung. Darüber rund 600 granulare Splitter, sechs verhallte Sprachfragmente und Impulse, die auf den Glitchbalken sitzen. Mit Kopfhörern hören.

Die 2:59 im Ablauf

240°Video

Ansehen

Drei Blicke auf dieselbe Oberfläche: die Umrundung des Rings in 2:59, der Bogen über dreißig Jahre und die dreizehn KI-Rekonstruktionen, aus denen Bild und Ton gebaut sind.

PATHFINDER 360° · Die Umrundung in 2:59

3840 × 2160 · 25 fps · 10 Bit · Stereo. Bildausschnitt unskaliert aus dem Panorama; die Anzeige am unteren Bildrand zeigt, wo im Ring die Kamera steht. Auf YouTube öffnen ↗

BODYBOX → PATHFINDER → 360° → DER KÖRPER ALS ARCHIV

Der Bogen über dreißig Jahre in einem Durchgang — Körper · Oberfläche · Raum · KI. Auf YouTube öffnen ↗

Quellen · Playlist PATHFINDER BODYBOX AI

Dreizehn KI-Rekonstruktionen aus 2024/2025. Ihre Bilder sind das Material der Montage, ihre Tonspuren das gesamte Klangmaterial. Playlist auf YouTube ↗

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Ringstreifen 3 von 3 · langsamster Lauf · 250 Sekunden pro Umrundung

300°Lucid Dreams ECHOES

Macht KI uns glücklich(er)?

ECHOES ist der Nachhall der Festivalausgabe 2026 und die dritte Veranstaltung der Initiative KI ?/& KUNST. Rahmen ist „Happy Palace“ — ein Ort, an dem innere Landschaften und virtuelle Einbildungskraft zusammenfallen. Diese Montage eröffnet und beschließt den Abend.

3. Dezember 2026 · 16:30 – 21:00 · Eintritt frei

Haus der Digitalisierung, Konrad-Lorenz-Straße 10, 3430 Tulln an der Donau

  • 16:30 Empfang, Begrüßung, Eröffnung
  • 17:00 Kollektives Screening, Ausstellung, 360°-Live-Performance
  • 17:45 Publikumsgespräch: Künstliche Intelligenz und Glück
  • 18:30 Get-together mit Buffet, Artist Talks bis 21:00

lucid-dreams.eu/echoes ↗

Das Festival

Lucid Dreams ist das Festival für Digitale Kunst in St. Pölten. Die Ausgabe 2026, „happy Palace“, fand am 22. und 23. Mai in der Bühne im Hof und im Kulturzentrum Löwinnenhof statt. Die nächste Ausgabe heißt EUTOPAI und läuft am 4. und 5. Juni 2027 — unter dem Satz: Das Modell ist nicht neutral. Bau Gegenmodelle.

Konzept, Bild, Montage, Ton · Künstlerische Leitung und Kuration: Markus Wintersberger · medienwerkstatt006
Leitung: Sibylle Moser · Koordination und programmatischer Text: Janina Hoth · Technik: Christian Munk
Masterklasse Experimentelle Medien, Masterstudiengang Digital Design, Fachhochschule St. Pölten

Eine Veranstaltung von Fachhochschule St. Pölten, European Center for Culture & Creativity, Lucid Dreams Festival und Haus der Digitalisierung, in Kooperation mit Bühne im Hof, ecoplus digital und dem Land Niederösterreich, kofinanziert von der Europäischen Union.

340°Daten

Maße

Panoramafassung
22.080 × 1.440Pixel · 25 fps · H.264 · Stereo
Bildfläche · Umfang
311 m² · 69 m31,8 Millionen Leuchtdioden
Laufzeit
2:59plus eigenständiges Intro 0:45 und Outro 0:45
Schnitte
0eine durchgehende Montage
16:9-Fassung
3840 × 21604K UHD · 10 Bit · unskalierter Ausschnitt
Bildquellen
13KI-Rekonstruktionen 2024/2025
Ton
100 %aus den Tonspuren dieser dreizehn Videos
Stationen im Ring
6im Abstand von 3.680 Pixeln

Die Panoramafassung wird segmentweise und in zwei räumlichen Hälften gerechnet: Ein einzelner Encoder-Durchlauf über die volle Ringbreite ist technisch nicht möglich, weil gängige Encoder bei 16.384 Pixeln Bildbreite enden. Die Wand ist breiter als das Format, das sie zeigen soll — auch das gehört zum Gegenstand.

360°Referenzen · zurück am Ausgangspunkt

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medienwerkstatt006 · Markus Wintersberger · Wien 2026. Die Arbeit ist für das 360°-Panorama des Hauses der Digitalisierung Tulln entstanden und dort am 3. Dezember 2026 zu sehen.

◆ Masterklasse Digital
Design
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